Randbemerkung: Der große böse Wolf

2022-09-10 11:05:24 By : Mr. Eric Zhu

Randbemerkung: Der große böse Wolf

(09.09.2022)  Er ist schlau, listig und böse. Er hat das Rotkäppchen, die Großmutter und sechs von sieben Geißlein aufgefressen. Und weil das Märchen sind, hat er seine Strafe bekommen. Während er schlief, hat der Jäger ihm den Bauch aufgeschnitten, die Großmutter, Rotkäppchen und auch die Geißlein wohlbehalten befreit, dann den leeren Wanst mit Wackersteinen gefüllt und zugenäht.

Aufgewacht – mit großem Durst - ist der Bösewicht zum Brunnen gewankt und beim Trinken hineingestürzt. „Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot, der bitterböse Wolf ist tot!“

Das wünschen sich viele Weidetierhalter hierzulande auch. Denn der Wolf ist zurückgekehrt. In vielen Bundesländern gibt es wieder Wolfsterritorien, und zunehmend reißen sie auch Schafe, Kälber, Ziegen. Kürzlich wurden sogar zwei Ponys Opfer von Wölfen. Weidezäune müssen nachgerüstet werden, Schäfer lassen jetzt mehrere Hütehunde auf die Herden aufpassen, die Tiere sollen möglichst nachts in den Stall kommen, wird geraten. All das kostet, hilft oft nicht, macht die Bauern wütend. Sie stehen vor Herausforderungen, die neu sind, denn seit dem 19. Jahrhundert galt der Wolf bei uns als ausgerottet. Wie das Problem nun zu lösen ist, darüber zerbrechen sich Politiker, Naturschützer und Wolfsbefürworter den Kopf.

Man wird sehen, ob sich die Wolfsrudel hier vermehren und ausbreiten und wie den Weidetier-Bauern geholfen werden kann.

Wölfe sind ja schöne Tiere, sie faszinieren uns. Sie sind geheimnisvoll, und sollen im Grunde sehr scheu sein. Aber ich möchte doch keinem gerne beim Spaziergang im Wald begegnen.

Hier ganz in der Nähe gibt es einen Wildpark, die „Alte Fasanerie“ bei Klein-Auheim, einem Stadtteil von Hanau, Im Freigehege kann man dort rund 40 mittel- und nordeuropäische Tierarten mit gut 350 Exemplaren sehen: Rehe, Hirsche, Elche,  Marderhunde, Frettchen, Waschbären, Wildschweine mit ihren Frischlingen, Fasane, Eulen, Adler, ja sogar Luchse kann man beobachten. Die Attraktion ist das Wolfsgehege. Bei den Grauwölfen hat es im Juni 5 Wolfswelpen gegeben. Eltern und Kinder drängen sich vor der Einzäunung, um zuzuschauen, wie die Wolfseltern unglaublich liebevoll ihre Welpen umsorgen. Legendär ist auch das abendliche Wolfsheulen der Polarwölfe in der alten Fasanerie, das immer im Frühjahr stattfindet und zu dem Hunderte von Menschen kommen. Aber wenn ein Zaun zwischen den Isegrims und mir ist, dann ist mir das sehr recht.

Wölfe sind ein Mythos. Und wie man weiß, stammt der beste Freund des Menschen, der Hund, vom Wolf ab. Über die Jahrtausende sind durch Züchtung all die vielen Rassen entstanden. Kaum zu glauben, aber wahr! Allein dafür bin ich den Wölfen dankbar. Denn wie schon Loriot gesagt hat: Ein Leben ohne Mops – ich erweitere es auf „ein Leben ohne meinen Hund“ - ist möglich, aber sinnlos!

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